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Harry Potter, Wunschvorstellungen und die leiblichen Eltern

J. K. Rowling, die TERF, lasse ich nicht mehr in mein Hirn. Aber wie sich ihr Werk einst in meinem jugendlichem Hirn eingenistet hat! Ich kann nicht leugnen, dass ich meine Erfahrungen als Adoptierte in „Harry Potter“ abgebildet fand.

Die Szene vor dem Spiegel Nerhegeb im „Stein der Weisen“ habe ich mit 11 Jahren zum ersten Mal gelesen. Ich hatte meine leiblichen Eltern noch nie getroffen und hatte nur ein Bild von ihnen durch die Erzählungen meiner Adoptivmutter. Die Szene hat mir so viel bedeutet, da ich mich so gut hineinversetzen konnte: Ich sah mich, wie ich in den Spiegel schaute, und hinter mir meine leiblichen Eltern.

In der Szene tun Harrys Eltern nichts, sie schauen ihn nur an, winken und stehen hinter ihm. Harrys Wunsch ist einerseits so simpel und gleichzeitig so unmöglich. Sein Mentor Dumbledore weißt ihn darauf hin: Die Toten bleiben tot. Deswegen fühlt sich diese Szene stark an.

Dann gibt es noch diese Szene am See im dritten Band, in der Harry meint, er wird von seinem Vater vor Dementoren gerettet. Auch hier, der Wunsch ist übergroß.

Doch am Ende ist es nicht der Vater, denn der Vater ist unwiderruflich tot. Er selbst ist es, der sich selbst in der rettenden Position erkennen muss. Harry muss den Verlust seiner Eltern immer deutlicher spüren und wachsen. Zumindest war das damals meine Interpretation. In dem Alter hatte ich meine leiblichen Eltern bereits getroffen und deutlich verstanden, dass sie mich zu keinen Moment hätten bei sich behalten können.

Die Serie erfüllt den kindlichen Lesern in den ersten Bänden viele Wünsche: Die Zauberwelt ist unberechenbar und bunt, die Dursleys sind unterhaltsam schlecht und doof, Ron und Hermione sind treue Freunde.

Aber den einen Wunsch wird ihm vor die Nase gehängt und nicht erfüllt: Harrys Wunsch, bei seinen leiblichen Eltern zu sein.

„Harry Potter“ ist eindeutig eine Phantasie. Doch es stellte reale Wunschvorstellungen von mir ab, die ich in meinem Hirn abgespielt habe. Es bildet die Erkenntnis ab, dass diese nie in Erfüllung gehen. Doch dann, im „Feuerkelch“, nachdem Harry gelernt hat, dass sein Vater ihn nicht retten kann – da sind die Geister seine Eltern da, sprechen mit ihm, beschützen ihn. Auf einmal wird der Wunsch Wirklichkeit?!

Dazu gibt es noch die Tatsache, dass seine leibliche Eltern ihm das Leben in der Zauberwelt angenehmer machen: Er erbt jede Menge Geld von ihnen und sie gelten in der Zauberwelt als Helden. Definitiv eine Phantasie.

Tara Moore behauptet, dass Harry Potter schädlich für reale Adoptivfamilien ist, weil die Darstellung von dem Leben als Adoptivkind nicht realistisch dargestellt wird. Vor allem können die leiblichen Eltern nicht einfach plötzlich wieder da sein, wenn sie tot sind (Moore, 2018, S. 133).

Ich sage, dass Harry Potter unrealistisch ist, angefangen bei den schlecht geschriebenen Figuren im Hause Slytherin, die alle gemein sind. Vollkommen realistisch sind die Wunschvorstellungen, die ein (adoptierter) Leser hegen kann. Es sind banale Wünsche – wie etwa, vor den leibliche Eltern zu stehen und sie schauen mit Elternstolz zurück. Und dass „Harry Potter“ sie so gut abbildet und suggeriert, dass sie wahr gemacht werden können, das ist das eigentliche Verführerische, das Gefährliche daran.

Parker, Deirdre: Harry Potter and Adoption: https://adopting.org/harry-potter-and-adoption/; 31.08.21

Moore, Tara (2018): Dangerous Depictions of Adoption in Rowling’s Wizarding World Narratives; in: Bell, Christopher (Editor): Inside the World of Harry Potter. Critical Essays on the Books and Films; 24.09.21

Rowling, J.K.: Harry Potter und der Stein der Weisen; Carlson Verlag, 2005

Rowling, J.K.: Harry Potter und der Gefangene von Askaban; Carlson Verlag, 2007

Rowling, J.K.: Harry Potter und der Feuerkelch; Carlson Verlag; 2008

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